„Don Carlos, Infant von Spanien“ von Friedrich Schiller in Zwickau auf der Gewandhausbühne

Liebesschmerz und Weltendrama - Intrigen gedrängt in drei Stunden Aktion

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Eher modern tragen Don Carlos, vorn, und König Philipp ihre Konflikte in einem Squash-Match aus. Fotos: Awtukowitsch

„Don Carlos, Infant von Spanien“ von Friedrich Schiller in Zwickau auf der Gewandhausbühne

Liebesschmerz und Weltendrama - Intrigen gedrängt in drei Stunden Aktion


ZWICKAU, am 1. März 2013 – Der König ist rasend eifersüchtig. Da hat er guten Grund, er hat seinem Sohn die Verlobte ausgespannt und selber geheiratet.
Philipp II. von Spanien, Marius Marx, ist der Herr der Welten in dessen Reich die Sonne nie untergeht. Er ist ein armer Wicht, tragisch teilt er das Schicksal aller Despoten, er ist einsam und er kann niemand mehr trauen. Allen voran misstraut er seinem Sohn Don Carlos, wegen dessen Beziehung zur Königin, aber auch wegen der Furcht, der Sohn könnte ihm vom Thron jagen wollen.
Das Theater Plauen-Zwickau zeigt Schillers Drama „Don Carlos“, und Matthias Thieme als Regisseur versucht, das private Eifersuchtsdrama mit allen Feinheiten der Intrige und den Weltenschmerz der Großmacht Spanien im 16. Jahrhundert im Sinne Friedrich Schillers zu interpretieren. Er lässt seinen Akteuren dazu über drei Stunden Zeit, die Facetten der Liebe, der Eifersucht und der Intrige auszuspielen.
Don Carlos, Daniel Tille, liebt seine Stiefmutter, die Königin Elisabeth, Marsha Zimmermann, und mit Hilfe seines Freundes Marquis von Posa, David Moorbach, gelingt es ihm auch, sich der Geliebten zu nähern. Don Carlos im Look eines renitenten Gammlers der Siebziger Jahre trifft auf die wächsern gestylte Elisabeth des steifen Hofadels des späten Mittelalters. Bühne und Kostüme - Claudia Charlotte Burchard. Die Handlung hat die Ausstatterin komplett in ein Kühlhaus eines Schlachtbetriebes verlegt, da erscheint alles von vornherein etwas unterkühlt.



Das Verhältnis von König Philipp II. und seiner Gemahlin Elisabeth ist eher etwas unterkühlt.
















Wie sie aussehen, so handeln die Personen auch: Elisabeth lässt den stürmischen Liebhaber abfahren und erinnert ihn an seine Pflichten als Thronfolger. Die würde Don Carlos vielleicht auch erfüllen, wenn ihn denn sein Vater als Heerführer nach Flandern ziehen ließe. Der König aber glaubt in diesem Fall, dass sein Sohn als Weichei für die Unterdrückung der flandrischen Unterdrückung nicht geeignet ist und benennt Herzog Alba, Benjamin Petschke, als Heerführer. Alba zeigt sich als Büttel mit dem Gemüt eines Fleischerhundes. Auch in seiner Funktion als Wachhund über die Königin ist er penetrant und ein Ekel vom Feinsten.
Marquis von Posa ist entsetzt über die Entscheidung des Königs, Posa ist ein Kämpfer für die Freiheit, und zeitweise gelingt es ihm, den König mit diesen Gedanken zu beeindrucken.
Da der König aber für sich selber die Moral nicht gepachtet hat, versucht er ein sexuelles Abenteuer mit der Prinzessin von Eboli und schreibt derselben Anzügliches in einem Brief. Da auch alle anderen Briefe schreiben, aber keiner erkennt, wer wem wirklich meint, die Schriftstücke regelmäßig in falsche Hände geraten wird das Intrigengewirr immer filziger. Prinzessin von Eboli liebt Don Carlos, macht aber alles falsch und macht den Schaden erst richtig groß.
Marquis von Posa glaubt seine diesbezüglichen Fehler zu korrigieren zu können, und um den Freund zu retten, er opfert sich selbst, denunziert sich vor dem König als Buhler um die Gunst der Königin und als Rebell für die Freiheit der unterdrückten Völker. Das nützt, wie sich zeigen wird, nicht viel. Die spanische Inquisition schwebt in Form des Großinquisitors, Dieter Maas, über allen. Und nichts geht gut aus. Viel Beifall für die Akteure und die Inszenierung gab’s schon zur Pause und nach dem letzten Vorhang. Allerdings scheint das Interesse des heutigen Publikums an den Klassikern nicht sehr groß zu sein, obwohl das meiste des schillerschen Gedankengutes heute noch, wie die Faust aufs Auge passt. Es ist nur in einer etwas anstregenden Sprache verschlüsselt.
Viele Plätze in den Zuschauerreihen blieben leider zur Premiere leer.
Theo Stiegler






Die Rivalitäten zwischen Herzog Alba, oben, und Don Carlos enden auch in körperlichen Konflikten. Fotos: Peter Awtukowitsch.
zur Theater-Website Kartentelefon 0375 274114647


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