„Das Maß der Dinge“ von Neil LaBute hatte Premiere im „Theater in der Mühle“



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adam Klaas Malorny - evelyn Susan Ihlenfeld - jenny Jenny Rehs - phillip Martin Ennulat
Foto: Awtukowitsch

„Das Maß der Dinge“ von Neil LaBute hatte Premiere im „Theater in der Mühle“



Beziehungskiste: Die überraschenden Verwandlungen junger Typen


ZWICKAU, am .April 2009 – Evelyn ist Künstlerin und provoziert gern. Sie steigt über die Absperrungsseile in einer Ausstellung, nur mal eben so, weil’s eben verboten ist oder weil sie ihren Horizont erweitern möchte. Um Horizonte in den Köpfen und in den Beziehungen junger Leute dreht sich alles in dem Stück „Das Maß der Dinge“ von Neil LaBute, das am Freitag im Zwickauer „Theater in der Mühle“ Premiere hatte. Es darf gelacht werden, und das Publikum findet reichlich Gelegenheit sich köstlich zu amüsieren, es darf aber auch gedacht werden, und die ganze Hintergründigkeit des Spiels überfällt die Besucher erst am Ende Stückes.
Natürlich stößt Evelyn, Susan Ihlenfeld, mit ihrem anfänglichen Tun auf Widerspruch. Adam, Klaas Malorny, ist ganz Aufsichtsperson: Dicke Brille, dicker Bauch und Schmalztolle werden noch durch eine biedere Kordjacke unterstrichen. Linkisch und gehemmt ist er den Attacken der Kunststudentin hilflos ausgesetzt. Eine antike Männerstatue hat in der Spießerwelt der Vorstadt ein Feigenblatt aus Gips bekommen. Zum Entsetzten des Ordnungshüters Adam holt Evelyn mit Hilfe einer Spraydose das verdeckte Corpus Delicti wieder ans Tageslicht.



Dennoch findet Evelyn den jobbenden Studenten Adam „süß“ und schon bald hat sie dem jungen Mann die Unschuld geraubt.
Regisseurin Tamara Kober lässt die Schauspieler zum Amüsement des Publikums freizügig agieren. Manchmal ein bisschen zu laut für das kleine TIM, aber immer spannend und unterhaltsam gespielt, verfliegen die 100 Minuten ohne Pause schnell. Dies gelingt in dem Stück ohne langweilige Phasen und Phrasen, was bei den teilweise abstrakten Streitthemen über Kunst, Kunstformen und -inhalten auch wieder eine Kunst für sich ist.
Vor dem Freundespaar Jenny, Jenny Rehs, und Phillip, Martin Ennulat vollzieht sich mit Adam eine erstaunliche Metamorphose, aus dem Mauerblümchen formt sich die Künstlerin Evelyn einen „coolen Typen“. Kontaktlinsen statt Hornbrille, eine chirurgisch korrigierte Nase und Designerklamotten holen aus dem Mann raus, was man nicht vermutet hätte. 20 Kilo Lebendgewicht opfert Adam seiner Liebe zu Evelyn. Dennoch: Nicht alles gelingt zum Besten, Adam entdeckt seine eigene Attraktivität in Bezug auf andere Frauen, was, so denkt man als Zuschauer, nicht immer im Sinn von Evelyn sein kann. Klaas Malorny gelingt es die allmähliche Verwandlung des Adam auf der Bühne überzeugend darzustellen. Susan Ihlenfeld zeigt eine scheinbar liebenswerte, ein wenig verschrobene Kunststudentin – aber die hübsche Frau weiß, was sie will. Auch Jenny Rehs als lebenslustige und lebenshungrige Jenny sowie Martin Ennulat in der Rolle als spießerischer Machotyp mit Stammtischbildung tragen mit vielen Schmunzeleffekten zum Gelingen des Spiels bei.
Die Beziehungskiste beginnt schließlich in allen Ecken und Kanten zu knirschen, um am Ende, überraschend für die meisten Zuschauer, einen gänzlich anderen Inhalt, als den erwarteten, preiszugeben. Manche wollten zwar die ganze Zeit Bescheid gewusst haben, mehr vom Stück hatten diejenigen, die sich überraschen ließen. Deshalb auch die herzliche Bitte des Ensembles an die Kritiker: „Verratet bitte das Ende nicht“, was wir hiermit auch berücksichtigen.
Herzlicher Beifall belohnte die Leistung des Ensembles.
Theo Stiegler

Theo Stiegler
Ticket-Service im Gewandhaus 0375 27411 46 47 oder 0375 27411 46 48 und zur Theater-Website


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