Rezensionen aus der Zwickauer Kulturszene


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Fiordiligi, Jana Reiner, links, und Dorabella, Jennifer Crohns, bilden mit Despina, Inga-Britt Andersson, ein erfreulich frisches weibliches Dreieck in der Beziehungsgeschichte. Foto: Theater

Teueprüfung al la Rokoko im modernen Gewand

Zwickau. Am Theater ist ein Generationenwechsel spürbar: Keine der sechs agierenden Personen am vergangenen Freitag, 28. März 2003, auf der Bühne gehört zum Stamm der seit Jahrzehnten stehenden Besetzung des Musikthaters. Alles junge Gesichter in einer jungen alten Story: Heute macht man das mit einer Agentur: Die Treue des Partners prüfen, das haben Geschäftstüchtige als lohnendes Geschäft entdeckt. Allerdings, die Geschichte ist noch genau so anrüchig, wie zu Zeiten von Wolfgang Amadeus Mozart. Der hat das Libretto "menschlicher Prüfungen" in seiner Oper "Cosi fan tutte" verarbeitet, und diese wurde 1790 in Wien uraufgeführt. Da war gerade wieder mal einen Zeit der Prüderie und das Thema des Partnertauschs schien äußerst pikant und gewagt. Am vergangenen Freitag war Premiere im Zwickauer Gewandhaus. Zwei verliebte Paare und ein Hallodri mit "schlechtem" Frauenbild werden durch ein gewitztes Dienstmädchen ergänzt. Don Alfonso, Haken Erkrath, gelingt es, die beiden Offiziere Ferrando, Falk Hoffmann, und Guglielmo, Jürgen Hartfiel, zu dem Treuespiel zu überreden, da sind die beiden noch felsenfest von der Treue ihrer jeweiligen Braut überzeugt, ja sie haben Alfonso erst durch ihre Lobeshymnen auf ihre Bräute Fiordigli und Dorabella herausgefordert, seine Ansichten über Frauen kundzutun. Die Wette beginnt, Ferrando und Guglielmo müssen tun, was Alfonso anordnet, erst müssen sie scheinbar ins Manöver, dann kehren sie verkleidet, man ist ein wenig an Atze Schröder erinnert, wieder zurück und beginnen nun als Fremde ihr Bräute zu verführen. Unterstützung finden sie dabei auch die Kammerzofe Despina, Inga-Britt Andersson, die energisch an der inneren Treuehaltung ihrer beider Herrinnen bohrt. Da fällt auf, Inga Britt Andersson hat ein besonderes Talent für den Schelm und füllt die Rolle mit Stimme, Gesten und Charme der flotten Blondine. Eigentlich stimmt alles, eingebettet in ein stilvolles Ambiente der Ausstattung, Robert Schrag, mit Mobiliar futuristischer Züge und Kostümen, die zum Glück auch ein wenig rokokohaft die Weiblichkeit der Sängerinnen hervorheben, findet die Aufführung den Anklang neuzeitlicher Prägung. Fast mit ein wenig zuviel Harmonie und ordentlicher Sangesleistungen versehen plätschert der erste Akt wenig aufregend zwischen artigen Szenenapplaus aus dem Publikum dahin, und wer vorher mit dem Libretto vertraut ist, der findet auch in den hübschen, harmonischen Bildern optischer, klanglicher und szenischer Interpretationen, den Handlungsfaden wieder.
Eigentlich fehlt dem Besucher ein wenig der Pep, den Rainer Wenke, Regie, sonst seinen Schöpfungen mit auf den Weg gibt. Aber das kann auch an der Stimmung des Abends gelegen haben. Jana Reiner als Fiordiligi fand selbst nach stürmischen Applaus und vielen Vorhängen am Ende der Vorstellung nicht zu einem entspannten und freundlichen Lächeln, es schien, als ob sie ernsthaft in der Entdeckung der hinterhältigen Prüfung durch die Männer nachhaltig gefangen blieb.
Theo Stiegler
Nächste Aufführungen 2., 4., 8.,13., 19. April, 19.30 Uhr. Karten: Ticket-Service Theater Zwickau im Gewandhaus am Hauptmarkt in Zwickau, Telefon 0375 834648. Premiere in Plauen: 1. Juni 2003.
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