Ausstellung im Städtischen Museum Zwickau zeigt vom 14. Februar bis 28. März 2010

Francisco de Goyas Radierungen in den Augen einer heutigen Malerin

- siehe auchTermine und Ausstellungen in den Städtischen Museen in Zwickau

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Die Chefin der Zwickauer Gemäldesammlungen, Petra Lewey, entdeckt auch immer wieder Neues in den aktuellen Ausstellungen Foto: Theo Stiegler

Ausstellung von Aquarellen der Kölner Künstlerin Cony Theis im Städtischen Museum Zwickau



Ungewöhnliche Annäherung an die Radierungen von Francisco Goya – Aquarelle werfen Schlaglichter auf die 200 Jahre alten Bilder des Meisters



ZWICKAU, im Februar 2010 – „Ha, hier ist er doch tatsächlich abgestürzt“, die promovierte Kunsthistorikerin Petra Lewey ist selbst ein wenig verblüfft vom Effekt der im Bild dargestellten Geschichte. Petra Lewey, Chefin der Zwickauer Kunstsammlungen, hat die Ausstellung mit Aquarellen von Cony Theis selbst mit gestaltet.
34 Aquarelle der in Köln lebenden Künstlerin Cony Theis - geboren 1958 in Ewersbach, studiert in Düsseldorf und Mainz - sind seit kurzem in den Kunstsammlungen der Stadt Zwickau zu sehen. Lewey freut sich, die Aquarelle von Cony Theis, 51 gleichzeitig im Museum mit der Goyaausstellung mit Radierungen des spanischen Meisters aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen zu können. Alle Aquarelle haben einen sehr engen Bezug zu den Radierungen von Francisco de Goya, dem spanischen Hofmaler. Theis hat sich insbesondere mit den zwischen 1797 und 1799 entstandenen Radierungen unter dem Titel „Los Caprichos“ und darüber hinaus mit dem Zyklus „Los Desastres de la Guerra“ auseinandergesetzt.
Fast spielerisch nähert sich die heutige Künstlerin Theis dem Meister Goya, sie nimmt die Inhalte der Radierungen auf und setzt in einem neuen Hintergrund. Unter dem Titel „Hambres Caninas“, Petra Lewey findet die freie Übersetzung „Bärenhunger“ scheint am besten zutreffend zu sein, sind die Aquarelle entstanden und sind noch im Entstehen. Hauptakteur auf den farbenfrohen Aquarellen ist immer ein Hund. In dem Hund habe sich die Künstlerin selbst als Betrachterin der Szene mit verewigt, weiß Lewey aus einem Gespräch mit der Künstlerin heraus abzuleiten.

Natürlich sei es für den unbefangenen Betrachter Goyascher Bilder nicht einfach, sofort den auf die Zeit der Entstehung der Radierungen bezogenen Witz im Bild zu entschlüsseln. „Manche Karikatur, die wir heute in der Zeitung sehen und sofort verstehen, wird wohl in 200 Jahren auch auf wenig Verständnis stoßen“, sagt Lewey. Besonders im Zyklus „Los Caprichos“, zwischen 1797 und 1799 entstanden, setzt Goya mit beißender Satire einer in Aberglauben, Habgier und Dekadenz versinkenden Gesellschaft seiner Zeit zu. Dies braucht in vielen Fällen einen kleinen Denkanstoß zum bessern entscheidenden Klick im Kopf des Betrachters. Cony Theis hat sich mit den Motiven aus Goyas „Caprichos“ neu auseinandergesetzt . Die „Caprichos“ verschlüsseln Zeitgeschehen in den Augen eines Karikaturisten, das im Unterschied zur Bildserie „Tauromaquia“, die durch die fotografische Genauigkeit der Szenen aus „Kunst des Stierkampfes“, besticht.
Die 34 Aquarelle von Theis befassen sich eher mit den hintergründigen Werken des Satirikers Goya. „Hoffentlich reißt das Seil – Que se rompe la cuerda“, hat Goya die eine Radierung aus dem Zyklus „Desastres“ genannt. Ein Geistlicher der spanischen Inquisition balanciert auf einem Seil über einer verschreckten Menschenansammlung und der Bildtitel lässt ahnen, welche Hintergründigkeit in der versteckten Papstdarstellung verborgen sein mag.
Die Malerin Theis hat den Pfaffen aus der Goyaradierung erkennbar in ihr Bild eingebaut, sie lässt in ihrer Version die Menschenmassen weg, aber hinter dem Pfaffen balanciert ein einsames Weib auf dem Seil, dem Goya im Bildtitel „Hoffentlich reißt das Seil“ ein besonderes Schicksal gewünscht hatte. Gleichsam unbeteiligt dominiert ein Schäferhund im Vordergrund des Aquarells die Szene.
Die Fortsetzung der Szene geschieht drei Bilder weiter, da fliegt der Geistliche tatsächlich durch die Luft, das Seil ist gerissen, was Petra Lewey zu der, eingangs erwähnten, verblüfften Reaktion verführte.
Die für sich schon sehr anziehende und ansprechende Ausstellung der Aquarelle von Cony Theis gewinnt durch ihren engen Bezug zur gleichzeitigen Ausstellung der Goyaradierungen zusätzlich an Attraktivität, die Ausstellungen sollte man am besten zusammen sehen.
Allerdings sind die Aquarelle von Cony Theis nur bis zum 28. März im Städtischen Museum in Zwickau zu sehen.
(Goya – das druckgrafische Werk bis 2. Mai)
Theo Stiegler


„Ha, hier ist er doch tatsächlich abgestürzt“, die promovierte Kunsthistorikerin Petra Lewey ist selbst ein wenig verblüfft vom Effekt der im Bild dargestellten Geschichte. Petra Lewey, Chefin der Zwickauer Kunstsammlungen, hat die Ausstellung mit Aquarellen von Cony Theis selbst mit gestaltet.

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