Aus dem Theater Zwickau: Opernpremiere von „Madam Butterfly“

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Das Trachten des amerikanischen Marineleutnants Benjamin Franklin Pinkerton richtet sich allein auf den Sexus der Geisha „Madam Butterfly“. Foto: Theater Plauen-Zwickau

Foto: theater.

Opernpremiere von „Madam Butterfly“ mit bitter-süßem Geschmack im Zwickauer Gewandhaus

Grober Amerikaner zertrampelt zarte japanische Seele

Zwickau. Der Elefant im Porzellanladen weiß nicht, was er anrichtet. So kann man den Amerikaner Benjamin Franklin Pinkerton auch sehen, der Egoist heiratet im Japan des angehenden 20. Jahrhunderts die Geisha Cio-Cio-San, auch „Madame Butterfly“ genannt, „auf Zeit“. Am Freitag hatte die wohl bekannteste Puccini-Oper Premiere am Zwickauer Gewandhaus. Vor ausverkauftem Haus entfaltet sich das Bild der hoffenden und jubelnden, am Ende zerbrechenden Butterfly, gesungen und gestaltet von Maria Gessler. Der grenzen- und gedankenlose Egoismus des amerikanischen Marineleutnants Pinkerton, Guido Hackhausen, zeigt sich eindrucksvoll im ersten Akt mit schnoddrigen Bemerkungen des gesanglich gut aufgelegten Tenors gegenüber dem amerikanischen Konsul Sharpless, Hans Gröning. Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab’s offenbar noch amerikanische Diplomaten mit Herz und Verstand. Pinkerton sieht die Liaison von Anfang an als flüchtige Beziehung. Sharpless warnt den Marineoffizier vor seiner Herzlosigkeit und macht diesen auf die tiefe und aufrichtige Liebe der Cio-Cio-San, Maria Gessler, aufmerksam. Dafür hat Pinkerton, die Rolle scheint Hackhausen auf den Leib geschneidert zu sein, kein Interesse. Die Seele von Cio-Cio-San und die komplizierten und fein gesponnenen Beziehungen der japanischen Familienbande interessieren den gedankenlosen Ami nicht die Bohne, allein der Sexus der Geisha bestimmt sein Handeln. Maria Gessler singt und gestaltet die Cio-Cio-San gefühlvoll und mit zartem Kolorit. Da wird sie leider in manchen Passagen zu laut vom Orchester übertönt. Man wünscht sich eine etwas sensiblere Stabführung von Orchesterleiter Victor Puhl. Dieser lässt zeitweise die Streicher ein wenig zu schrill, ein wenig zu laut klingen. Trotzdem, ein wenig Szeneapplaus wäre nach der großen Arie von Maria Gessler im zweiten Akt: „Eines Tages sehen wir ein Streifchen Rauch“, zu erwarten gewesen. Es gibt Opernfreunde, deren Erwartung konzentriert sich voll auf diesen Augenblick, wo die bitter-süßen Klänge einer eindrucksvollen Sopranistin das Innerste aufwühlen. In dieser Szene erschien am Freitag der Zuschauerraum des Zwickauer Gewandhauses seltsam erstarrt zu sein. Dafür wurde das Ensemble nach der Schlussszene reichlich mit Ovationen von Beifallsstürmen belohnt. Nächste Vorstellung in Zwickau, Sonntag, 23. Januar 2005, 15 Uhr und 9. Februar,19.30 Uhr. Premiere in Plauen am 26. Februar. Theo Stiegler
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