Aus dem Theater Zwickau

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Uta Simone, Inga-Britt Anderson und Sabine Münkner, von links nach rechts, in den weiblichen Paraderollen des „Bettelstudenten“ bei den Vorbereitungen zur Hochzeit mit dem vermeintlichen Fürsten Wibicki. Foto: theater.

Carl Millöckers „Bettelstudent“ im Zwickauer Gewandhaus

„Ich hab’ kein Geld, bin vogelfrei“

(Zwickau). Als Komtesse Laura Nowalska den alten Schwerenöter Oberst Ollendorf, Gouverneur von Krakau empört mit ihrem Fächer ins Gesicht schlägt, nimmt die Geschichte ihren Lauf. „Mir ist manches schon passiert, aber so etwas noch nicht, aber so etwas noch nicht!“, klagt der Operettenoberst, Bernhard Brunko, in der Zwickauer Inszenierung von Carl Millöckers „Bettelstudenten“, die am vergangenen Freitag, 26. November 2004, am Gewandhaus Premiere hatte. Mit viel Szenenapplaus bedacht erreichen die zahlreichen Ohrwürmer einer der bekanntesten Operetten die Herzen der Liebhaber der leichten, aber inzwischen klassischen Muse in der Muldestadt. Die Handlung aus der Zeit August des Starken als polnischer König bietet alle Elemente, die unter der geschickten Regiehand von Rainer Wenke zu einer turbulenten und opulent das Auge füllenden Vergnügungstour fürs Publikum wird. Inga-Britt Anderson gestaltet die Rolle Komtesse Laura Nowalska eher lieblich als arrogant und hochnäsig aus. Die verarmte Familie Nowalska mit Gräfin Palmatica an der Spitze erhält durch die einzigartige Sabine Münkner ihren exotisch-komischen Touch, der durch die quirlige Bronislawa, gespielt von Uta Simone, köstlich ergänzt wird. Guido Hackhausen gibt einen eher artigen Bettelstudenten, den man ruhig etwas mehr Lotterhaftigkeit zumuten möchte, schließlich sitzt er ja als Schuldner in der Zitadelle von Krakau, bis ihn und seinen Zellengenossen Jan die entscheidende Rolle im Rachplan von Oberst Ollendorf zufällt. Ausstaffiert als Fürst wird der Bettelstudent Symon den bettelarmen aber stolzen Nowalskas als idealer Bräutigam für Laura offeriert, damit gedeiht der Rachplan, der die restlose Blamage der stolzen Damen zur Folge haben soll. „Ich setz’ den Fall“, versucht Symon noch Laura über seine wahre Identität aufzuklären, aber die Aufklärung wird zunächst „fürchterlich“. Das gibt Symon die Gelegenheit zu solch flotten Arien wie „Ich hab kein Geld, bin vogelfrei“ oder „Wir wollen sehen, wer früher müd, ich oder du!“. Ein wenig polnische Befreiungsgeschichte von sächsischer zu Gunsten schwedischer Vorherrschaft verhilft der Liebesgeschichte zum Happyend. Eine Operetteninszenierung die vom Zwickauer Publikum genossen werden sollte, so lange noch ein eigenes Theater besteht. Nach 180 Jahren wechselvoller aber immer erfolgreicher Theatergeschichte droht der Muldestadt nun das Abgleiten in tiefste triviale Fernsehprovinz: Das Theater könnte der Sparpolitik der Stadt zum Opfer fallen. Bernhard Brunko hat die Gefahr gesanglich im Liedtext mit verankert, das brachte heftigen Szenenapplaus bei den 400 Premierengästen. Leider war unter diesen diesmal der Zwickauer Oberbürgermeister Dietmar Vettermann nicht auszumachen. Theo Stiegler
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