Der Zwickauer Automobilbau unter der Militärkommandantur

siehe auch Das Automobilmuseum August Horch in Zwickau und Das Museum im Ausweichquartier zur offiziellen Museumsseite
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Der Sohn des sowjetischen Militärkommandanten, Vitali Seferianz, pflegt heute gute Kontakte nach Zwickau und zum Museum August Horch.

Major Alexander Arkadjewitsch Seferianz ist vielen Zwickauern als fairer Kommandant in Erinnerung. 1947 führte der russische Major das warme Werksessen in den Automobilwerken ein, eine in der Hungersnot der Nachkriegsjahre keineswegs selbstverständliche soziale Leistung. Als Dienstauto stand dem Militärkommandanten ein Horch 930 S zur Verfügung. Fahrer Rudi Wohlrab hatte sich durch rasante Fahrweise dem Kommandanten empfohlen.

Das Modell eines DKW F8 enthält ein Radio. Das Geschenk der Belegschaft an den Kommandanten aus dem Jahr 1947 blieb erhalten und steht heute als Geschenk des Sohnes von Major Seferianz ans Museum in der Ausstellung.

100 Jahre Automobile aus Sachsen

Deutsch-russische Freundschaft über Grenzen und Jahrzehnte

57 Jahre altes Radio als Rarität im Horchmuseum mit reicher Geschichte
Zwickau. Freudiges Wiedersehen: nach 57 Jahren trafen sich Vitali Seferianz, 69, und Hilmar Anwand, 70, im Automobilmuseum August Horch in Zwickau. Die beiden Männer waren 1947 Kinder, Spielgefährten. Das Besondere ihrer Freundschaft in den Notjahren nach dem Krieg: Vitali ist der Sohn des damaligen Miltärkommandanten über das Horchwerk in Zwickau, Hilmar Anwand wohnte im Nachbarhaus zur Militärkommandantur, wo auch die Familie des Kommandeurs untergebracht war. Das war für die Bengels von 12 und 13 Jahren praktisch, erinnert sich Hilmar Anwand heute: „Wenn wir etwas ausgefressen hatten, verschwanden wir auf dem Gelände der Kommandantur und schon konnte uns niemand etwas, für Erwachsene war das Sperrgebiet“. Einmal, erinnert sich Anwand, hatten die Kinder Vitali Seferianz überredet, Munition bei seinem Vater zu klauen, das Pulver wurde auf die Mauer gestreut und angezündet. Die Aktion kostete Anwand die Augenbrauen und brachte ihm kräftige Ohrfeigen von der Mutter ein, heute feixen die inzwischen angegrauten Freunde über den Dummenjungenstreich von damals. Offizieller Anlass für das Treffen im Advent 2004 im August Horch Museum in Zwickau: Weihnachten 1947 schenkten die Arbeiter des Horchwerkes den Kommandanten Major Alexander Arkedewitsch Seferianz ein Radio; das hat äußerlich die Form eines Luxus-DKW-Autos. Das Radio mit der Audi1 auf dem Kühler überdauerte die Jahre, und heute hat der Sohn des Kommandanten die Rarität dem Zwickauer Museum geschenkt. Major Seferianz gilt den alten Horchwerkern als ein sehr humaner Kommandant, an dem sich mehrere Zeitgenossen gut erinnern. In der Zeit des Hungers führte der russische Kommandant im Zwickauer Werk das warme Werksessen ein, ein für damalige Zeiten mutiger und schwieriger Schritt. Der Schwiegersohn des Fahrers vom Kommandanten, Georg Effenberger, erinnert sich: „Mein Schwiegervater, Rudi Wohlrab, durfte neben seiner Chauffeurtätigkeit auch manchen Hasen für die Russen schießen“, oft sei der Braten auf dem Tisch deutscher Familien gelandet. 1948 wurde Seferianz selber Opfer der stalinistischen Verfolgung, eine kritische Bemerkung über die Gefangenlager in der Sowjetunion brachte ihn selbst siebeneinhalb Jahre ins Straflager Workuta. Seit 1955 lebte der vom Straflager gezeichnete in Moskau. 1986 starb Alexander Arkadjewitsch. Das Radio ist nun im Museum zu bewundern, auf Knopfdruck erklingen ein wenig kratzige Melodien aus der Nachkriegszeit. Theo Stiegler

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