Aus dem Theater Zwickau: Musicalpremiere Anatevka

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Üblicherweise werden die Töchter unter Männern verschachert. Tewje, links, verspricht Wolf, rechts, seine Tochter Zeitel. . Foto: Theater Plauen-Zwickau

Foto: theater.

Das Musical "Anatevka" auf der Gewandhausbühne

Musical „Anatevka“ hat Premiere am Gewandhaus in Zwickau

„Wenn ich einmal reich wär…“

ZWICKAU – Das russische Provinznest Anatevka strahlt wenig Wärme aus, aber es ist Heimat einer in sich intakten jüdischen Gemeinschaft. Im Mittelpunkt steht Tewje, ein Milchmann. Das Musical „Anatevka“ oder „Der Fiedler auf dem Dach“ hatte am Freitag Premiere im Zwickauer Gewandhaus. Das Broadwaymusical von Jerry Bock, Joseph Stein und Sheldon Harnick ist alles andere als ein lustiges Stück, zutiefst melancholisch zeigt es das Bild einer bitterarmen aber mit Hoffnungen durchdrungenen Gemeinschaft. Das Bühnenbild im Gewandhaus zeigt eine triste russische Landschaft mit einer russischen Birke als Blickfang auf einer bemalten Leinewand. Ein wenig drückend rücken seitlich blaue Bögen ins Bild, bilden den Rahmen. Gewitzt und zutiefst menschlich bietet Tewje, Werner Rautenstengel, dem Leben die Stirn. Rautenstengel ist der „geborene Tewje“ möchte man meinen, und das Publikum honoriert dies mit viel Applaus. Armut ist keine Schande, aber wäre es denn schlimm, über ein wenig mehr Wohlstand zu verfügen, spielt Tewje die ewigen Überlegungen zwischen „einerseits“ und „andererseits“ für sich durch. „Wenn ich einmal reich wär …“, ist der Weltsong, der das Stück jedem sofort im Ohr klingen lässt. Traurig und arm ist das Leben der Juden in der russischen Stadt. Aber man pflegt einerseits die Tradition, die andererseits Tewje ständig in Schwierigkeiten bringt: Fünf Töchter wollen versorgt sein. Da gehen die Damen Zeitel, Inga Britt Andersson, Hodel, Silke Richter, Chava, Anke Endres als Gast, eigene Wege. Im Unterschied zu Rautenstengel gelingt es den Damen eher weniger, eigene Glanzpunkte zu setzen, was allerdings auch an den wenig attraktiven und vermummelnden Kostümen liegen mag. Die Outfits sind halt dem Thema und weniger der Weiblichkeit angemessen. Ganz fern ist dem Heute ja die familiäre Bestimmung des Bräutigams für eine Tochter auch nicht. Tewje allerdings überspringt seinen Schatten, lässt Zeitel ihren geliebten armen Schneider Mottel, Michael Kunze, heiraten, bricht lieber sein Wort gegenüber dem alten, reichen Mezger Wolf, Bernhard Brunko, dem er Zeitel zuerst versprochen hatte. Die Gesetze des zaristischen Russlands um 1900 bringen die Juden immer mehr in Schwierigkeiten. Bis zur zwangsweisen Vertreibung der Juden aus ihrer kleinen Heimat geht das Spielchen. Mitten durch die tieftraurige, bedrückte Gesellschaft der aufbrechenden Menschen unter Regenschirmen, lässt Regisseur Dieter Roth in Zwickau zwei Mädchen singen und tanzen: „Wir fahren mit der Eisenbahn“, finden die Kinder das Gute bei der Sache, wirft das Lied einen Lichtstrahl der Hoffnung auf die Szene. Der Onkel in Amerika wartet, gleiches Recht und Freiheit winken. Brüderlich ist die verschworene Gemeinschaft der Juden seit Mose sowieso. Nächste Aufführungen in Zwickau: 1.Mai, 15 Uhr, 15. Mai, 19.30 Uhr. Premiere in Plauen: 23. April. Theo Stiegler Foto: Tewje, links, mit Lazar Wolf, rechts, entscheiden im Wirtshaus: Der Witwer Wolf wird Tewjes Tochter Zeitel heiraten. sti
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